Vorwort

Das Ziel eines Schulprogramms ist die Schaffung einer systematischen, verbindlichen, mit allen schulischen Akteuren abgestimmte und transparente Arbeitsgrundlage für die Entwicklung der Unterrichts- und Schulqualität. Das heißt, dass die nachfolgende Konzeption als perspektivische Entwicklungsplanung zu verstehen ist. In diesem Sinne folgen zwei strategischen Ausrichtungen:

  • Vorrangig richtet sich die Schulprogrammarbeit auf die Prüfung des momentan befindlichen Weges. Es ist somit die Frage nach der Eignung der momentanen Maßnahmen, um die strategische Ausrichtung zu stützen beziehungsweise zu erreichen?
  • Die zweite Richtung besteht im Neudenken vom Bisherigen. Die Initiierung eines neuen, vollständigen, schulprogrammatischen Prozesses soll angeregt werden, um auf die Veränderungen der Ausgangslage zu reagieren. Ist also die strategische Ausrichtung geeignet, die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen?

Die nachfolgende schematische Darstellung versinnbildlicht den Grundaufbau der schulprogrammatischen Konzeption (siehe Abb. 1).

Die (Unter)konstruktion „Rahmenbedingungen“ und die (Über)konstruktion „Leitlinie zum Grundverständnis von Bildung und Erziehung“ stehen zueinander in einem Wechselverhältnis und bedingen sich folglich gegenseitig. Jede Veränderung in einer der beiden Konstruktionen hinterlässt im Äquivalent spürbare Konsequenzen, wodurch ein Wechsel der Konstruktionen möglich sein kann. Die einzige stabile Komponente ist die Säule „Unterricht“, welche als tragender Grundpfeiler fungiert. Die beiden Nebensäulen können eine unterstützende, verstärkende und verzierende Funktion innehaben, tragen aber nicht zur eigentlichen Stabilität der Konstruktionen bei.

1 Konstituierung

1.1 Leitlinie

Lebe im Ganzen!

Friedrich Adolph Diesterweg

1790 - 1866

Friedrich Adolph Diesterweg war einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Reformpädagogik und des Fortschritts in der Volksbildung. Er kämpfte für die Schaffung und Anerkennung einer einheitlichen Bildungsgrundlage für das ganze Volk. Dieses Ziel war seiner Ansicht nach nur durch einen lebensnahen Unterricht zu erreichen.

Im Bereich des mittleren Plateaus der großen Haupttreppe der Astrid-Lindgren-Grundschule ist genau dieser Leitspruch in einem kunstverzierten Buntglasfenster zu entdecken und macht eine thematische Stringenz verschiedener bildungspolitischer Epochen im Wandel der Zeiten lebendig, verständlich und greifbar. (siehe Abb. 2)

Leitspruch „Lebe im Ganzen!“ von Friedrich Adolph Diesterweg
Abb. 2: Leitspruch „Lebe im Ganzen!“ von Friedrich Adolph Diesterweg [Stirn 2024]

Unter Berücksichtigung des historischen Bezugs zur Entstehung und Entwicklung dieses Schulgebäudes lässt sich eine seit 120 Jahren stetige Tätigkeit im Bereich der Bildung und Erziehung verorten. Angefangen bei der Ausbildung zukünftiger Lehrkräfte im Königlich-Sächsischen Lehrerseminar bis zur Etablierung des Bildungszentrums als Lernort für Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit stellt diese Einrichtung eine Brücke zwischen Tradition und Moderne dar.

Das verbindende Element ist der Leitgedanke Diesterwegs und seine damit verbundene pädagogische Ausrichtung.

1.2 Institutionsgebundenes Grundverständnis von Bildung und Erziehung

Die moderne Welt ist schnelllebig, hektisch und oft verwirrend. Inmitten der täglichen Herausforderungen passiert es leicht, dass der Mensch sich in einzelnen Aspekten des Lebens verliert - sei es im Beruf, in Beziehungen oder in der eigenen Gesundheit. Diesterwegs Leitspruch „Lebe im Ganzen“ hat die Vorstellung, ganzheitlich zu leben und alle Facetten des Daseins in Einklang zu bringen. Diese Grundhaltung sollte in der pädagogischen Arbeit der Astrid-Lindgren-Grundschule als Leuchtfeuer aufgefasst werden.

Tradition

Bewährte Konzepte, Handlungsweisen und Elemente des Schuljahres, die direkt mit der Schule verbunden sind, fungieren als Konstante in einer zunehmend stärker plural gestalteten Welt.

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Moderne

Gleichzeitig sollen neue Möglichkeiten, die das Schulleben ergänzen, erweitern und vielfältiger gestalten, sukzessive erprobt und bei positivem Ergebnis in den Schulalltag integriert werden.

Die Astrid-Lindgren-Grundschule rückt als institutionsgebundenes Grundverständnis von Bildung und Erziehung folgende Ziele konkret in den Fokus:

  • selbstständig, eigenverantwortlich und in sozialer Gemeinschaft zu handeln
  • für sich und gemeinsam mit anderen zu lernen und Leistungen zu erbringen
  • eigene Meinungen zu entwickeln und Entscheidungen zu treffen, diese zu vertreten und den Meinungen und Entscheidungen anderer Verständnis und Achtung entgegenzubringen
  • allen Menschen vorurteilsfrei zu begegnen, unabhängig von ihrer ethnischen und kulturellen Herkunft, äußeren Erscheinung, ihren religiösen und weltanschaulichen Ansichten und ihrer sexuellen Orientierung sowie für ein diskriminierungsfreies Miteinander einzutreten
  • Freude an der Bewegung und am gemeinsamen Sport und Spiel zu entwickeln, sich verantwortungsvoll im Straßenverkehr zu verhalten, sich gesund zu ernähren und zu leben
    die eigene Wahrnehmungs-, Empfindungs- und Ausdrucksfähigkeit zu entfalten, kommunikative Kompetenz und Konfliktlösefähigkeit zu erwerben, musisch-künstlerische Fähigkeiten zu entwickeln
  • angemessen, selbstbestimmt, kompetent und sozial verantwortlich in einer durch Medien geprägten Welt zu handeln sowie Medien entsprechend für Kommunikation und Information einzusetzen, zu gestalten, für das kreative Lösen von Problemen und das selbstbestimmte Lernen zu nutzen sowie sich mit Medien kritisch auseinander zu setzen

(vgl. § 1 SächsSchulG)

Diese Zielorientierung deckt sich darüber hinaus mit den Intentionen der Namenspatronin, Astrid Lindgren. Die schwedische Schriftstellerin ist vor allem für ihre Kinderbücher bekannt, die oft starke, unabhängige und fantasievolle Protagonisten wie die Pippi Langstrumpf oder den Michel aus Lönneberga präsentieren. Ihre Werke betonen unter anderem die Wichtigkeit von Freiheit, Freundschaft und dem Recht von Kindern auf eine eigene Stimme. Lindgren verstand Kinder als aktive Empfänger von Bildungsinhalten und Gestalter ihrer eigenen Geschichten beziehungsweise ihres Lebens.

1.3 Konklusion

Diesterweg und Lindgren zählen beide zu den bedeutenden Persönlichkeiten in der Welt der Bildung und der Literatur, auch wenn sie in unterschiedlichen Epochen und Kontexten wirkten.

Die Verbindung zwischen Diesterweg und Lindgren liegt in ihrem gemeinsamen Engagement, sich für die Rechte und Bedürfnisse von Kindern einzusetzen. Während Diesterweg das Bildungssystem reformierte, um besser auf die individuellen Talente der Mädchen und Jungen einzugehen, schuf Lindgren inspirierende Geschichten, die Kinder ermutigen sollten, ihre Fantasie zu nutzen und eigenen Grenzen zu überschreiten. Beide förderten ein kindgerechtes Verständnis von Lernen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sowohl Diesterweg als auch Lindgren eine visionäre Haltung gegenüber der Bildung und Entwicklung von Kindern vertraten, die bis heute weiterhin relevant ist. Sie haben beide das Bewusstsein für die kindlichen Bedürfnisse und Potenziale geschärft und diesem Thema eine prägende Stimme gegeben. Somit definieren diese Persönlichkeiten beispielhaft das pädagogische Grundgerüst der Astrid-Lindgren-Grundschule in Frankenberg / Sachsen.

Struktur- und Organisationsmerkmale

Die unter dem kommunalen Schulträger (Stadt Frankenberg / Sa.) stehende Astrid-Lindgren-Grundschule bietet als vierzügige, staatliche allgemeinbildende Grundschule mit Hort ein ganztägiges Angebot in offener und teilweise gebundener Form.

Sie gehört zu einer der schülerreichsten Grundschulen Sachsens mit maximal 448 Schülerinnen und Schüler. Das schulische Personal setzt sich aus über 20 Lehrkräften (tarifbeschäftigt oder verbeamtet), Studienreferendaren, Teilnehmern des Freiwilligen Sozialen Jahres, der Schul- und Inklusionsassistenz sowie schulischen als auch studentischen Praktikanten zusammen. Änderungen in der Personalzusammensetzung beziehungsweise im -einsatz werden als Konstante von schulischer Arbeit verstanden.

Verschiedene Schul- und Linienbusse bedienen die Haltestellen in unmittelbarer Nähe des Bildungszentrums. Aus sieben Kindertagesstätten im Stadtgebiet und im ländlichen Umfeld werden die künftigen Schülerinnen und Schüler an der Grundschule angemeldet. Durch die räumliche Nähe aller den Kindern dienenden Einrichtungen ist die ganzheitliche Bildung und Erziehung der Kinder zwischen 6 und 10 Jahren im Bildungszentrum gegeben (siehe Punkt 1.1). Die Astrid-Lindgren-Grundschule ist in dieser Form der Hauptnutzer des Bildungszentrums (vgl. Stadt Frankenberg / Sa., 2011, 8).

Aktuelles Raumnutzungskonzept

Die verschiedenen Bildungseinrichtungen im Bildungszentrum bieten Kindern vom Krippenalter an bis zum Verlassen der Grundschule eine umfassende Bildung, Erziehung und Betreuung. Durch die Vernetzung der verschiedenen Einrichtungen entstehen Synergien, welche die Möglichkeiten der einzelnen Einrichtungen wesentlich erweitern. Im Mittelpunkt des konzeptionellen Ansatzes steht immer das Kind, welches in seiner Persönlichkeitsentwicklung ganzheitlich gefördert werden soll.

Das Bildungszentrum wird von einem großen, teilweise naturverbundenen Außengelände umgeben, auf dem sich ein aktiv wiederbelebter Schulgarten, Grün- und Spielflächen, ein Fußball- sowie ein Verkehrsübungsplatz befinden. Auf Laufabstand sind das Lützeltal, die Jahnkampfbahn und der Volkspark erreichbar. Das obere Stockwerk wurde für den Hort auf der Basis eines freien Gestaltungskonzeptes eingerichtet, wodurch sich vielfältige Möglichkeiten der interessengeleiteten Beschäftigung am Nachmittag realisieren lassen. Durch ein flexibles Raumnutzungskonzept zwischen Schule und Hort können Ganztagsangebote innerhalb des Bildungszentrums umgesetzt werden. Dadurch sind die Mädchen und Jungen im Stande, die GTA-Veranstaltungsorte selbstständig aufzusuchen. Einzig der Weg zur Dreifelderhalle muss in Begleitung der GTA-Leitung erfolgen. Mittels eines weiteren Anbieters steht den Lernenden ein persönliches Schließfach zu Aufbewahrungszwecken zur Verfügung.

Die Grundschule hat in der vergangenen Zeit eine umfassende Modernisierung hinsichtlich der technischen Ausstattung erfahren, sodass neben der gesamten Vernetzung des Schulgebäudes mittels WLAN auch digitale Endgeräte unter anderem Beamerwagen mit Dokumentenkameras, Laptops, digitale Tafeln und Tablets für Lernaktivitäten zum Einsatz kommen.

Das umfangreiche Angebot an Aktivitäten gibt jeder Schülerin und jedem Schüler die Möglichkeit, das eigene „ICH“ zu entdecken und die individuellen Neigungen zu entfalten. Das gemeinsame Leben und Lernen unter einem Dach erhöht die soziale Kompetenz, die neben Wissenserwerb und Wertevermittlung eine der wichtigsten Säulen von Bildung und Erziehung darstellt. Durch die Verzahnung von Bildung, Erziehung und Betreuung entsteht Raum für vertiefte und individuellere Lern- und Fördermöglichkeiten sowie für freien Unterricht und Projektarbeit. Die Rhythmisierung des Tagesablaufs schafft mehr Möglichkeiten für persönliche Begegnungen zwischen der Schülerschaft und dem Lehrkörper (vgl. Stadt Frankenberg / Sa., 2011, 3-4 & 6).

Das Bildungszentrum soll zukünftig Sinnbild der bestmöglichen Bildung für Kinder in Frankenberg sein. Zu diesem Ziel tragen die nachfolgend vorgestellten Partner mit ihren individuellen Konzepten zur elementaren und primarschulischen Bildung bei:

  • Kindertagesstätte „Pusteblume“
  • Zweigstelle der Kinderbibliothek
  • Evangelische Grundschule mit Hort
  • Astrid-Lindgren-Grundschule mit Hort

Die Astrid-Lindgren-Grundschule verfügt über folgende Räumlichkeiten, die für unterrichtliche Zwecke zum Einsatz kommen:

  • 14 Klassenzimmer
  • 1 Fachraum für die Vorbereitungsklasse
  • jeweils 1 Fachraum für Kunst, Musik, PC
  • 2 Werkräume
  • 1 Lesezimmer für Anfangsunterricht
  • 1 Medienzimmer

Kooperation mit schulischen und außerschulischen Akteuren

Die Lebensverhältnisse in der Stadt und die Bildungsaffinität der Sorgeberechtigten unterscheiden sich zum Teil erheblich. Die Klassen weisen eine starke Heterogenität auf, wodurch eine darauf ausgerichtete Gestaltung und Rhythmisierung der Schultage abgeleitet werden muss. Darüber hinaus hat sich diese Einrichtung größeren Herausforderungen hinsichtlich der Beschulung von Kindern, deren Herkunftssprache nicht Deutsch ist, zu stellen und diese in den Vorbereitungsklassen auf eine Vollintegration in den Regelklassen zu befähigen. Des Weiteren werden auch Schülerinnen und Schüler hauptsächlich in den Förderschwerpunkten „Lernen“ und „Sprache“ inklusiv beschult und individuell gefördert.

In Zusammenarbeit mit dem Hort bietet die Grundschule verschiedene Ganztagsangebote mit der Unterstützung unterschiedlicher externer Bildungspartner während des Unterrichts beziehungsweise im unmittelbaren Anschluss sowie im Freizeitbereich am Nachmittag an. Die Arbeit wird durch den Elternrat und den Bildungsverein aktiv unterstützt.